| zurück Ansprache von Dr. habil. Lienhard Hoesch anlässlich der Vernissage von 'saft' ...sondern viel mehr die Frage, was geschieht geistig auf dem Weg vom rohen Baumstumpf zum fertigen Bildwerk? Ist da eine präzis definierte Absicht, festgehalten z.B. in Skizzen, Zeichnungen, Werkplänen oder dreidimensionalen Modellen? Oder das wäre das extreme Gegenteil fängt Marcel einfach zufallsbestimmt irgendwie an, trägt vom Holzstück mehr und mehr ab, bis etwas vor ihm steht, mit dem er ohne vorher bestimmten Grund zufrieden ist? Wie so oft im Leben liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Nach manchen Gesprächen und gelegentlichem Zuschauendürfen beim Arbeiten sind es vor allem zwei Quellen die ihn zum Ziel führen. Einerseits ist es die Wachheit für Schönheit von Gewordenem, für formale Ausgewogenheit und Stimmigkeit von Gewachsenem in den unendlich vielfältigen Formen der Natur. Ebenso wach ist der Künstler für die Qualität des Schönen in den von Menschenhand geschaffenen Gebilden der Kunst, insbesonders bei solchen, bei denen die Gestalt des Werkes auf die konzentrierte Vereinfachung der Form reduziert, nein, gesteigert ist. Wie z.B. in manchen Arbeiten des rumänischen Bildhauer Constantin Brancusi. Ich denke, Marcels innere Bildwelt ist bevölkert mit Gestalten solch ausgewogener Schönheit. Im sicheren Besitz solcher Gestalten und Formen, braucht es dann gar keine Skizzen oder vorbereitende Modelle, sondern das Resultat ist als geistige Gestalt schon präsent vor und bei Beginn der handwerklichen Arbeit. Andererseits ist es auch die Ehrfurcht vor dem jeweils Einmaligem des gewählten Materials. Bei Steinen z.B. die Einschlüsse und Schichtungen, beim Holz aber gerade die entstandenen Risse beim Vorgang des Lagerns und Trocknens und dann natürlich die Jahresringe, die Astansätze und die Zonen der Ruhe, wo sich der Stamm Jahr um Jahr um eine Schicht erweitert hat. Solche Wachheit begleitet alle Schritte des Bearbeitens, angefangen beim Wählen des Materials, bis hin zu den letzten Feinheiten der Oberflächenbehandlung. So wird den ein Spalt, ein innerer Hohlraum nicht etwa zum störenden Hemmnis auf dem Weg zur Realisierung der innerlich geahnten Gestalt, sondern wird aktiv in diese einbezogen, wird Anlass zu Akzenten und auch zur räumlichen Orientierung der werdenden Skulptur, kann oben und unten, hinten und vorne mitbestimmen. Sein Auge entdeckt, seine Fingerspitzen erfühlen, sein Sinn spürt jede feine Nuancierung am Holz, im Holz. Vielleicht etwas gewagt möchte ich sagen, er umkost sein Arbeitsmaterial wie ein Liebender. Nicht der Gestus des seinen Willen aufzwingenden Machers ist ihm zu eigen, sondern der eines aufs Aeusserste aufmerksamen und zugeneigten Liebhabers. Dr. Lienhard Hoesch zurück |
![]() |
